COCOLLECTIF // jetzt

copyright ivan yaher

ÉPHÉMÈRE

Ein Wimpernschlag Mensch auf dem Planeten

 

Performance von Anna Bienek und Julian Voenschen // COCOLLECTIF

und den Sänger*innen des Ensemble Choeur

 

22. März 2020 // Kloster St. Lioba, Freiburg im Breisgau (D) // VERSCHOBEN

9. Mai 2020 // Église Romane de Rosheim (F) // IN DER SCHWEBE

10. Mai 2020 // Foyer des fhnw Campus Muttenz (CH) // IN DER SCHWEBE

10. Mai 2020 // Historisches Museum, Barfüsserkirche, Basel (CH) // IN DER SCHWEBE

 

Chorwerke von Ēriks Ešenvalds, Benjamin Britten und Thomas Jennefelt

zum Sekundenbruchteil, in dem der Mensch die Erde betreten hat

 

Klimawandel. Fortschritt. Völkerwanderungen. Seit Milliarden von Jahren trägt der Erdball eine sich in Zeitlupe ständig verändernde Natur durch das All. In allerletzter Sekunde kam der Mensch dazu – mit scheinbar unaufhaltsamen Auswirkungen. Er ist gleichzeitig genauso jung und vergänglich wie das, was ihn umgibt. Diese Fragilität inspiriert Chor-Komponisten wie Ēriks Ešenvalds (*1977) oder Benjamin Britten (1913–1976): Ihre Werke skizzieren die Situation des modernen Menschen; konfrontiert mit weiten Herausforderungen und einem unendlich kurzen Aufenthalt in dieser Welt findet er sich in einem Jetzt wieder, in dem es gerade auf ihn ankommt.

 

Die 26 Stimmen des grenzübergreifend-dreisprachigen Ensemble Choeur3 treffen auf 2 Figuren, die zwischen den Chorwerken Bilder aus Bewegung pflanzen; die für ihre ökologisch engagierte Choreografiearbeit im öffentlichen Raum bekannten Tänzer*innen Anna Bienek und Julian Voneschen machen ÉPHÉMÈRE zu einem lebendigen Gebilde.

Recherche 2019 - verschoben auf unbestimmte Zeiten

ALTE SYNAGOGE HÉGENHEIM (F)

 

Recherche-Arbeit für den baufälligen Raum: das Holz knarrt, der Staub fällt. Die Vergangenheit atmet, das Jetzt steht still. Respiration continue im luftleeren Etwas: wie fangen Menschen und Mauern an, Geschichten zu erzählen und Geschichte zu schreiben? Wie klingt die Kälte eines Ortes, der jahrzehntelang leer stand und vorher zwei Jahrhunderte lang als Gotteshaus diente?

 

Die Alte Synagoge Hégenheim wurde um 1749 gebaut, 1815 geplündert, 1821 wiederaufgebaut und 1858 durch den Rabbiner Nordmann wiedereingeweiht. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Gebäude als Künstleratelier genutzt; seit 2017 wird es von der Denkstatt und vom Verein Alte Synagoge zu einem Kulturort umgebaut. COCOLLECTIF darf während dieser Verwandlung einen Moment lang in den inspirierenden vier Wänden des grossen Gebäudes arbeiten und macht sich auf die Suche nach fremden und vertrauten Riten, nach der Trennung von Mann und Frau, nach dem Dunkel der Verfolgung und des Niedergangs und nach dem Licht aus dem Fenster der Ostfront, in dem der letzte Maler in der Synagoge malte.

 

Ein Projekt der Tänzer_innen und Sänger_innen des COCOLLECTIF

www.entr-act.ch

copyright tobias pfeifer, emmeranmedia.com

WOULD YOU KISS US FOR FIFTEEN MINUTES?

oder Ein Konzept zum Scheitern

 

COCOLLECTIF wandelt auf der Strasse. Unsichtbar und unmerklich brechen durch die aktuellen Projekte die Grenzen zwischen Draussen und Drinnen, zwischen Publikum und Ausführenden, zwischen hermetisch abgeschlossenen Kunstwelten und dem tatsächlichen Leben auf. Das verlangt Mut, Angstlosigkeit, Humor und Vertrauen. Es passiert überall und unvorhersehbar, auf einer Verkehrsinsel, im Supermarkt, auf dem Trottoir: wir haben mit Stimmen und Körpern alles bei uns und sprechen eine so klare Sprache, dass sich die Menschen unmittelbar und überraschend einfach berühren und bewegen lassen. COCOLLECTIF hebt die Welt einen Augenblick lang aus den Angeln, lässt den Horizont schwanken,

und ehe sie sich's versahen, war nichts mehr wie es war.

MOVE THE PEOPLE!

 

Nach der Schlussfanfare aus Benjamin Brittens "Advance Democracy"* ist einmal mehr klar: wer, wenn nicht wir? Und, keine hundert Jahre später, ebenso nach den Sportfreunden Stiller: wo, wenn nicht hier? Wann, wenn nicht jetzt? COCOLLECTIF bringt die Menschen zum tanzen. Mit Begeisterung, mit stimmlichem und tanzpädagogischem Handwerkszeug, mit dem bewussten Versuch, Bewegung auf der Strasse zu initiieren und zu normalisieren. Wir fallen aus dem konformen Trab hinaus: was für ein Skandal! Wir teilen einen Circlesong: unerhört. Dass Singen und Tanzen im öffentlichen Raum nur noch klickheischenden Flashmob-Charakter hat, wollen wir nicht glauben. Und machen unbeirrt weiter. Wann, wo? Surprise! 

 

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"Life shall be for the people /

that's by the people made"